„Kammerchor Cantabile Gerlingen“ entführt das Publikum auf eine musikalische Weltreise – und erntet begeisterten Beifall.
Unter dem Motto „Musik verbindet – Chorwerke aus vier Kontinenten“ hat der „Kammerchor Cantabile Gerlingen“ am Sonntag „Judika“ unter Leitung von Jan Muckenfuß das Publikum in die Matthäus-Kirche Gerlingen (Waldsiedlung) zu einer musikalischen Weltreise eingeladen.
Asien, Europa, Südamerika und Afrika sind die angepeilten Stationen.
Ready for Take-off?
Die erste Destination ist Asien.
Ganz zart, und nur mit Frauenstimmen erklingt „Temuná“, das erste aus den „Five Hebrew Love Songs“ (1996) des amerikanischen Komponisten Eric Whitacre. Die Texte stammen von der israelischen Sopranistin Hila Plitmann, der damaligen Freundin und späteren Ehefrau von Whitacre. Auch „Lárov“ (Meistens) und „Rakút“ (Zärtlichkeit) sind für Plitmann „Postkarten“-Gedichte, die ähnlich wie Haikus besondere Momente poetisch einfangen.
Der Chor schafft eine sensible Atmosphäre, die durch die Klavierbegleitung von Daniel Johnson und der lyrischen Violine von Solveig Sonntag zu einem besonderen Hörerlebnis gestaltet wird.
Auf dem weiten Flug nach Europa wird das Publikum – gut angeschnallt – mit dem „Präludium op. 34 Nr. 22“ von Dmitri Schostakovitsch für Klavier und Violine unterhalten.
Bittersüß und melancholisch erklingt „Come again“ des englischen Renaissance-Komponisten, Lautenisten und Sängers John Dowland, das von verschmähter Liebe handelt.
Mit „Notre Père“ des französischen Organisten und Komponisten Maurice Duruflé, einer Vertonung des „Vaterunser“, springt der Chor wieder ins 20. Jahrhundert und präsentiert mit „Laudate“ von Knut Nystedt ein lateinisches Gotteslob.
Beim Flug über den großen Teich hört das Publikum Klavierstücke von Jean Sibelius, interpretiert von Daniel Johnson. Und schon ist der Flieger unterwegs in den globalen Süden, wo Temperament und Leidenschaft Zuhause sind.
Mit viel „emoción“ träumt der Chor sehr poetisch und melodisch mit dem argentinischen Komponisten Carlos Guastavino davon, wie es wohl wäre, wie ein „Jasmin“ der Geliebten nahe zu sein oder sogar, vor dem „Gericht ihres Herzens“ ein Urteil zu empfangen.
Chorleiter Jan Muckenfuß führt den Chor auf allen Kontinenten mit Verve und strikt zielführend, baut Spannung auf durch kleine Crescendi und forciert den musikalischen Ausdruck – „Cantabile“ singt nicht einfach Töne, sondern gestaltet eine inspirierte musikalische Interpretation.
Ganz ungewöhnlich ist dann der bekannte und in verschiedenen Versionen gecoverte „Libertango“ von Astor Piazzolla. Der Chor übernimmt hier die Funktion eines Percussion-Instruments und bietet Rhythmus pur. Natürlich darf hier das fetzige Akkordeon von Wolfgang Dreher nicht fehlen.
„Cantabile“ interpretiert das Stück schwungvoll, tänzerisch und sogar explosiv mit einem Schuss Apéro – da kommt der Puls auf Touren, und man sieht förmlich ein elegantes Paar einen leidenschaftlichen Tango Argentino aufs Parkett legen.
Der Solo-Gesang von David Forger mit „Africa“ von „Toto“ weist dem Flug die weitere Richtung. Über Afrika gerät das Flugzeug in schwere Turbulenzen, denn hier brennt die Luft vor Rhythmus und Leidenschaft. „Gabi, Gabi“, arrangiert von dem amerikanischen Komponisten und Dirigenten William C. Powell, ist ein südafrikanisches Loblied mit starken dynamischen Kontrasten, das auf die Zeit der Apartheid in Südafrika zurückgeht und eine Form des kulturellen Widerstands war: „Preist den Vater, den Herrn, der uns befreit!“
„Siyahamba“, eine Hymne auf Frieden, Gemeinschaft und Freude, sowie der Gospelsong und Klassiker der ostafrikanischen christlichen Musik „Yesu Beera Nange“ bilden Höhe- und Schlusspunkt des stilistisch vielseitigen Konzerts. David Forger, Beatboxer und Chorleiter mehrerer Chöre, intoniert zuerst ein Solo, und dann übernimmt der Chor den Refrain „Yesu Beera Nange“. „Cantabile“ überrascht mit afrikanischer Textsicherheit und soviel Groove, wie es Mitteleuropäern eben möglich ist. Noch mehr rhythmischen Drive und afrikanisches Flair bringt Lamine Faye mit seiner Djembe, einer in Westafrika verbreiteten Bechertrommel.
Als Zugabe schmettert der Chor den „Bugs-Bunny“-Knaller „Das Publikum war heute wieder wundervoll“, verabschiedet sich mit einem frechen „Tschüss“ und erhält viel begeisterten Applaus.
Beim Stehempfang nach dem Konzert blickt man in heiter entspannte Gesichter: Musik verbindet nicht nur Kulturen und Kontinente – sie hat spürbare Auswirkungen auf Körper und Seele.
Warum also nicht „Cantabile auf Rezept“? Param-pam-pam!
Doris Caumanns, Musikrezensentin und langjähriges Chormitglied

